Schleifer erinnern an ihren Künstler-Pfarrer

Lausitzer Rundschau13. Februar 2017


Fotos: amz1

SCHLEIFE Besonderer Gottesdienst zum 200. Geburtstag von Julius Eduard Wjelan. "Kólesko" präsentierte seinen Choral "Meine Liebe".

Mit einem bewegenden Gottesdienst haben die Schleifer an den 200. Geburtstag ihres Pfarrers Julius Eduard Wjelan (1817 – 1892) erinnert. Darüber hinaus wurde an seinem Grab vor der Kirche ein Kranz niedergelegt. Außerdem gab es für den Kirchenmann, der in den Jahren von 1852 bis 1892 im Kirchspiel als Pastor tätig war, eine besondere Ehre. Denn das fünfköpfige Ensemble "Kólesko" präsentierte Wjelans selbstverfassten Choral "Meine Liebe". Diesen hatte der Pfarrer im Jahr 1869 anlässlich des 50. Geburtstages seines Freundes, des Gödaer Pfarrers Heinrich Immisch, geschrieben. "Man könnte meinen, es handelt sich um ein depressives Stück über Ängste und enttäuschte Hoffnungen. Doch der Choral verbreitet auch die Sehnsucht nach Hoffnung und Halt", erklärte Pfarrerin Jadwiga Mahling.

Manfred Hermasch von der Kirchgemeinde referierte in der gut gefüllten Schleifer Kirche über das Leben des Julius Eduard Wjelan. Demnach erblickte dieser am 1. Februar 1817 als einziger Sohn des Pfarrers Jan Wjelan das Licht der Welt. Nach seiner Ausbildung inklusive Studiums war Wjelan unter anderem als Hauslehrer in Krakau sowie in den Diensten des Fürsten von Pückler tätig. Neben seiner kirchlichen Arbeit befasste sich der Pastor auch mit der Kunst. Er komponierte Kirchenlieder, verfasste Gedichte und zeichnete die sorbischen Trachten im berühmten Buch "Die Volkslieder der Sorben in der Ober- und Niederlausitz" ("Pesnicki") von Leopold Haupt und Jan Arnost Smoler aus den Jahren 1841/1843. 

Nicht zuletzt war Wjelan auch für seine satirischen Bilder in sorbischen Tageszeitungen gut bekannt. Der Kirchenmann lebte mit dem Spruch "Fürchtet euch vor Gott mehr als vor Schulrat Bock", den er immer wieder in den Gottesdiensten zitierte. Eine Aussage, die bei der preußischen Obrigkeit auf wenig Gegenliebe stieß. Kein Wunder, dass Julius Eduard Wjelan unter polizeiliche Aufsicht gestellt wurde, was ihm gar nicht behagte, wie Manfred Hermasch anmerkte.

Übrigens steht in knapp zwei Monaten das nächste Jubiläum zu Wjelan ins Haus. Denn am 7. April jährt sich sein Todestag zum 125. Mal. Der Pfarrer wurde nach seinen 40 Schleifer Dienstjahren unmittelbar neben der Kirche beigesetzt, wo er noch heute ruht.


Projekte

Gesangs- und Musikgruppe

Als Fortführung der Herausgabe des Schleifer Liederbuches wurde im Jahr 2012 eine Vokalgruppe ins Leben gerufen, mit dem Ziel die gesammelten Schleifer Volkslieder in ihrer ursprünglichen Art und in ansprechender künstlerischer Qualität einem breiten Publikum darzubieten.